Frühjahrserwachen - Wo steht die Zahnärzteschaft zum Jahresanfang 2021 und was wird der Jahresverlauf bringen

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Frühjahrserwachen - Wo steht die Zahnärzteschaft zum Jahresanfang 2021 und was wird der Jahresverlauf bringen

Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ist nun ein Jahr vergangen. Gelegenheit für uns, Bilanz zu ziehen und den Blick zugleich nach vorne zu richten. Wir betrachten in diesem Artikel die wirtschaftliche Entwicklung der Zahnarztpraxen im Jahr 2020 und zeigen auf, wo die Zahnärzteschaft zum Jahresbeginn 2021 steht. Dafür ziehen wir Finanzkennzahlen von mehr als 200 Praxen aus dem gesamten Bundesgebiet heran.

Mit einem Ausblick nach vorne zeigen wir außerdem, was das Jahr 2021 für die Zahnarztpraxen bringt und warum jetzt ein guter Zeitpunkt ist, die eigene Praxis mit einem Frühjahrsputz und gezielten Optimierungen fit für die Zukunft zu machen.

Wo steht Deutschlands Zahnärzteschaft wirtschaftlich nach dem schwierigen Jahr 2020

Zahnärztlicher Honorarumsatz auf Jahressicht nur minimal gesunken

Wie wir kürzlich gezeigt haben, ist die Zahnärzteschaft beim Patientenaufkommen und der Leistungserbringung in 2020 mit einem blauen Auge davon gekommen (adp, ZWP, Dental Marketing und die DZW Printausgabe berichteten). Zwar kam es zwischen März und Mai zu starken Einbrüchen bei Patientenaufkommen und Leistungserbringung, die Lage hatte sich im Jahresverlauf 2020 aber deutlich stabilisiert. Die Verluste des Frühjahres konnten im Sommer und Herbst durch ausgeweitete Öffnungszeiten, weniger Reise- und Urlaubstätigkeit und aktive Patientenkommunikation weitgehend kompensiert werden. Nach unseren Berechnungen steht unterm Strich auf Jahressicht ein leichter Rückgang der Leistungserbringung in Deutschlands Zahnarztpraxen i.H.v. durchschnittlich ca. -1%. 

Dabei war auffällig, dass sich die geflossenen Umsätze der Praxen phasenweisen von der Leistungsentwicklung entkoppelten, da viele Praxen im März die Abrechnung bereits erbrachter Leistungen beschleunigt hatten. Durch zeitnahe Abrechnung mit den Patienten oder über Abrechnungsgesellschaften konnten die Praxen die verfügbare Praxisliquidität schnell aufstocken. Folglich berichteten die Rechenzentren unisono von relativ hohen Volumina, während die Patientenzahlen schon deutlich zurückgingen. Völlig klar war dabei, dass dies ein Einmaleffekt sein würde, der in den Folgemonaten teilweise zu gegenläufigen Effekten führen musste. Wie unsere Auswertungen zeigen, konnte ein Einbruch der Umsätze im weiteren Jahresverlauf jedoch dank sehr starker Patientenzahlen verhindert werden.

Einnahmen Je Kalendermonat

Unsere Daten zeigen in Summe daher, dass die Umsatzentwicklung der Praxen etwas besser war als die Leistungserbringung. Im Ergebnis dürften die Zahnarztpraxen in 2020 im Schnitt Umsätze auf oder leicht über Vorjahresniveau erzielt haben.

Praxisfinanzen dank großem Einsatz und Kostensenkungen sehr robust

Zeitgleich hat die große Mehrheit der Praxen auch auf der Kostenseite schnell reagiert und somit unsere Ratschläge aus dem Frühjahr 2020 befolgt. Wir hatten damals geraten, vor allem erfolgswirksame Maßnahmen zu betreiben. Dazu gehören neben den Maßnahmen zur Stabilisierung der Umsätze vor allem auch Kostensenkungen, da diese schnell und effektiv umgesetzt werden können.

Nach einem - durch steigende Hygienkosten bedingten - Kostenanstieg im März, ist es dem überwiegenden Teil der Praxen gelungen, die Kosten im April, Mai und Juni 2020 deutlich zu senken. Diese Kostensenkung basierte primär auf der Nutzung des Kurzarbeitergeldes. Eine insgesamt erhöhte Kostendisziplin, die Bestrebung Anschaffungen zeitlich zu verschieben und die zeitnahe Absenkung diskretionärer Ausgaben (z.B. für Suchmaschinen- oder Außenwerbung) haben zusammen mit den Gehaltseinsparungen durch Kurzarbeit die gestiegenen Hygienekosten auf Jahressicht überkompensiert. In Summe sind die Praxisausgaben der Zahnarztpraxen auf das Gesamtjahr betrachtet daher im Schnitt leicht gesunken.

Ausgaben Je Kalendermonat

Ebenso haben viele Praxen, wie von uns empfohlen, vorsichtshalber kurzfristig Stundungen (zB von Steuerzahlungen) vereinbart, Sofortauszahlung mit dem Rechenzentrum vereinbart oder zusätzliche Kreditlinien organisiert. Diese erfolgsneutralen Maßnahmen haben sich im Nachhinein in vielen Fällen als nicht notwendig erwiesen. In der damaligen Unsicherheit waren sie aber richtig und wichtig zur Schaffung von Liquiditätspolstern.

Zahnarztpraxen sind finanziell gestärkt aus 2020 hervorgegangen

In Summe konnten wir empirisch beobachten, dass die Zahnarztpraxen zwischen März und Juli 2020 zusätzliche Liquiditätspolster von durchschnittlich ca. 70.000 Euro geschaffen haben und diese auch bis heute weitgehend halten.

Saldo Finanzkonten

Dies ist insbesondere deswegen beachtlich, weil es den Praxen im Jahresverlauf sogar weitgehend gelungen ist, die zwischen März und Mai getätigten Stundungen und Kreditaufnahmen wieder zurückzuführen. In Summe hat sich die Nettofinanzposition der Praxen damit leicht verbessert.

Saldo Darlehenskonten

Die finanzielle Reichweite der Praxen hat sich aufgrund der verbesserten Liquiditätspolster und durch die Senkung der Ausgaben von im Schnitt 0,9 Monaten auf nun fast 1,8 Monate verdoppelt. Die Praxen sind also im Durchschnitt finanziell gestärkt ins Jahr 2021 gestartet. Wir plädieren schon lange für mehr Liquiditätsreserven in den Praxen und hoffen, dass viele Praxen diesen Puffer auch nach der Pandemie beibehalten werden. Schließlich war eine zentrale Erkenntnis des vergangenen Jahres, dass wir auf Ebene der Gesellschaft und des Individuums an vielen Stellen zu sehr "auf Kante genäht" und uns damit schlecht für Rückschläge aufgestellt haben. Mit den erhöhten Liquiditätspolstern können Zahnarztpraxen allgemeine Krisensituationen (z.B. zukünftige Pandemien) und individuelle Rückschläge (z.B. schwere Erkrankungen) deutlich besser wegstecken.

Wie die Zahnärzteschaft ins Jahr 2021 startet

Guter Jahresstart und solide Finanzbasis erlauben optimistischen Blick in die Zukunft 

Vorab: Für 2021 können wir durchaus vorsichtig optimistisch sein. So konnten wir in den ersten Wochen des neuen Jahres ein sehr hohes Patientenaufkommen und eine Leistungserbringung deutlich über Vorjahr beobachten. Die Entwicklung Anfang Januar dürfte zwar zum Teil auf Nachholeffekte aus der in 2020 besonders schwachen Weihnachtszeit zurückzuführen sein, aber auch im Februar und in den März hinein erweisen sich die Zahlen als sehr stabil.

Slic 2020   2021

Im den kommenden Wochen und Monaten könnten die Patientenzahlen zwar mit der drohenden 3. Welle und der zunehmenden Verbreitung der mutierten Virusvarianten noch einmal leicht unter Druck geraten. Ein Rückgang, wie wir ihn im Frühjahr 2020 beobachten konnten, dürfte jedoch ausgeschlossen sein. Für den weiteren Jahresverlauf gehen wir von sinkenden Infektions- und Todeszahlen in Folge der zunehmenden Durchimpfung der Bevölkerung aus. Entsprechend erwarten wir auch für Zahnarztpraxen eine graduelle Rückkehr zur Normalität und zu den gewohnten Patientenzahlen. Bei älteren Patientengruppen dürfte es nach erfolgreicher Immunisierung gar zu weiteren Nachholeffekten kommen, da diese im gesamten Jahresverlauf 2020 nie vollständig zurück in die Praxen gekehrt waren.

Slic Nach Altersgruppen

Infektionsbedingte Praxisschließungen oder lokale Lockdowns können zwar jederzeit eintreten, dank der gestärkten Rücklagen dürften Deutschlands Zahnarztpraxen im Schnitt aber finanziell gut aufgestellt sein, solche Rückschläge gut zu verkraften. 

Zahnarztpraxen sollten sich gerade jetzt fit für die Zukunft machen

Diese gute Ausgangslage verdankt die Zahnärzteschaft den bisherigen Bemühungen der Praxisinhaber:innen und der Kammern und Verbände. Die gute Patientenkommunikation, hohe Hygienestandards und die Bemühung, möglichst viele Behandlungen trotz schwieriger Umstände durchzuführen, haben sich ebenso ausgezahlt wie die aktive Beschäftigung mit den Praxisfinanzen und die Einleitung von Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität. 

Jetzt heißt es Durchschnaufen und Kräfte sammeln für den weiteren Jahresverlauf. Zu lange auf den bisherigen Erfolgen ausruhen sollten sich Praxisinhaber aber nicht. Stattdessen empfiehlt es sich, die eigene Praxis stetig weiter zu optimieren und die Praxisfinanzen nachhaltig auf ein neues Niveau zu heben. 

Konkret möchten wir folgende Handlungsempfehlungen mitgeben:

  • Beschäftigen Sie sich weiterhin fortlaufend mit den Praxisfinanzen – bedingt durch eventuelle Nachzahlungen für Steuer- oder Mietstundungen, die Tilgung einer zusätzlichen Kreditnutzung oder die Zurückzahlung von Staatshilfen kann es weiterhin zu unerwarteten Verwerfungen und finanziellen Engpässen kommen.
  • Nutzen Sie das Frühjahr, um Ihre Praxis strukturell und organisatorisch weiter zu optimieren – so werden sie gestärkt aus der aktuellen Situation hervorgehen!
  • Nutzen Sie die neuen Fortbildungsmöglichkeiten wie etwa Onlineseminare, Videoschulungen, digitale Kongresse oder Podcasts als Möglichkeit zur Weiterbildung – die Durchführbarkeit größerer Präsenzveranstaltungen bleibt weiterhin unsicher.
  • Behalten Sie weiterhin Ihr Patientenaufkommen und Ihre Leistungserbringung genau im Auge – beides sind vorlaufende Indikatoren für Ihren Geldzufluss der Zukunft und damit auch für den Kontostand und Ihre finanzielle Sicherheit von morgen.

Autor

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