SLIC - Entwicklung des "solvi Leistungsindex von Zahnarztpraxen in der Coronavirus-Pandemie" in den Kalenderwochen 19 bis 23 (4. Mai bis 7. Juni 2020)

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SLIC - Entwicklung des

Entwicklung der Leistungserbringung von Zahnarztpraxen in Zeiten der Corona-Pandemie

Mit dem "solvi Leistungsindex in der Coronavirus-Pandemie" (SLIC) analysieren wir anhand von Echtdaten fortlaufend die Entwicklung der Kassen- und Privathonorare niedergelassener Zahnärzte und wie diese durch die Pandemie beeinflusst sind.

Bisherige Entwicklungen

In unseren bisherigen Artikeln zu dem Thema konnten wir beobachten, dass sich als direkte Folge der Pandemie in den Kalenderwochen 13 und 14 ein Rückgang der erbrachten Leistungen in Zahnarztpraxen von ca. 35% beobachten ließ. In Kalenderwoche 15 und 16 wurde dieser Trend fortgesetzt und sogar leicht verstärkt (-40%). Erst mit dem starken Absinken der Infektionszahlen und den weiteren Lockerungen im Mai konnte ab Kalenderwochen 17 eine markante Erholung der Leistungserbringung verzeichnet werden.

Entwicklung der Leistungserbringung im Mai und Juni

Unsere Daten für die Kalenderwochen 19 bis 23 zeigen nun, dass sich die Erholung fortgesetzt und verfestigt hat. Die sehr erfreuliche Nachricht ist, dass im Zuge der weiteren Lockerungen der Kontaktverbote und der nachhaltig sinkenden Fallzahlen auch die Mobilität der Bevölkerung weiter zugenommen hat. Wir konnten bereits in vorherigen Analysen zeigen, dass die Mobilität der Bevölkerung eine hohe Aussagekraft für die Nachfrage nach zahnärztlichen Leistungen hat

In den letzten Wochen lässt sich daher beobachten, dass eine stabile Erholung des SLIC auf das Niveau rund um 90 Punkte stattgefunden hat. Die Leistungserbringung der Zahnarztpraxen hat sich im Schnitt also gut erholt, jedoch auf einem Niveau eingependelt, welches noch knapp 10% unterhalb dem Vorkrisenniveau liegt.

Gründe für das anhaltend niedrigere Niveau

Unterschiedliches Verhalten verschiedener Altersgruppen

In den Monaten März und April ließ sich beobachten, dass der Rückgang der Patientenzahlen in den einzelnen Altersgruppen stark unterschiedlich war. Die Verteilung folgte dabei grob einer umgekehrten U-Kurve. Besonders junge und alte Patienten blieben der Behandlung zwischen KW13 und KW16 überdurchschnittlich oft fern. So konnte in dieser Zeit bei Patienten zwischen 0 und 19 Jahren zusammengefasst ein Rückgang von mehr als 40% beobachtet werden, bei den Patienten über 70 Jahre zusammengefasst gar ein Rückgang über 60%. Dies lässt sich damit erklären, dass bei älteren Patienten aufgrund der Risikofaktoren von COVID-19 eine besondere Vorsicht vorherrscht, während es sich viele Eltern sicher doppelt überlegt haben dürften, ob sie einen Kontrolltermin mit einem (Klein-)Kind während dieser heiklen Phase der Pandemie wahrnehmen wollen. Patienten im Erwerbstätigenalter zwischen 20 und 69 hingegen hatten einen Rückgang von "nur" ca. 30%.

Jüngere Patienten kehren nahezu vollständig in die Praxen zurück

Dieses Bild hat sich seitdem stark gewandelt (grüne Balken in der Grafik oben). Zwar lässt sich in allen Altersgruppen eine deutliche Erholung beobachten - die Patienten kehren also insgesamt zurück in die Praxen - besonders stark ist dieser Effekt jedoch bei den Patienten unter 20 Jahren ausgeprägt. Diese Altersgruppe liegt nach Anzahl an Behandlungen aktuell nur noch ca. 5% unter Vorkrisenniveau. Dies lässt sich sicher vermutlich auch dadurch erklären, dass die objektive Gefahr für Kinder durch COVID-19 besonders gering ist und zeitgleich aufgrund geschlossener Schulen und Kindergärten insbesondere im Mai die Gelegenheit geboten war, abgesagte Termine nun nachzuholen. Die letzten Wochen waren folglich insgesamt von leichten Nachholeffekten insbesondere in der PZR, bei Kontrolluntersuchungen und bei jungen und gesunden Patienten gekennzeichnet.

Ältere Patienten bleiben vorsichtig und erklären einen Großteile der Lücke zum Vorkrisenniveau

Der besonders starke Rückgang der älteren Patienten und Risikogruppen in den Monaten März und April konnte seitdem jedoch nur bedingt umgekehrt werden. So zeigt unsere Analyse, dass die Behandlung von Patienten in der Altersgruppe 70+ sich zwar ebenfalls leicht erholte, nach wie vor bleiben diese Patienten den Praxen jedoch noch zu einem hohen Prozentsatz fern. So ergibt sich selbst im Mai und Anfang Juni in dieser Altersgruppe ein Rückgang von immer noch ca. 30% im Vergleich zum Vorkrisenniveau.

Differenziertes Bild bei Berufstätigen

Etwas differenzierter fällt das Bild hingegen bei der Altersgruppe der Erwerbstätigen aus. Hier fällt auf, dass die Patienten zwar teilweise zurück in die Praxen kehren: insgesamt wurde in dieser Altersgruppe aus einem Rückgang von ca. 30% ein Rückgang von nur noch ca. 15% (KW17 bis 23). Dies gilt jedoch primär für ländliche Gebiete und Praxen die gut mit dem Auto zu erreichen sind. In städtischen Gebieten sind die Rückgänge auch in der berufstätigen Kerngruppe von 20 bis 69 noch immer im höheren zweistelligen Prozentbereich. Dies ist u.a. darauf zurückzuführen, dass viele Arbeitnehmer nach wie vor im Home Office arbeiten und öffentliche Verkehrsmittel nach wie vor nur reduziert genutzt werden.

Anhaltende Herausforderungen für Praxen in Bürovierteln und Kernstädten

Hierunter leiden besonders Praxen, die von der berufstätigen Klientel abhängig sind, die also z.B. in Kernstädten und Bürovierteln sitzen und dort viele Patienten vor, während oder nach der Arbeitszeit behandeln. Diese Praxen zeigen nach wie vor einen Rückgang von über 35% im Vergleich zur Vorkrisenzeit, nachdem sie im März und April im Schnitt sogar Rückgänge von über 50% zu verzeichnen hatten.

Praxen in ländlichen Gebieten und Wohnvierteln hingegen, waren von der Krise weniger stark beeinträchtigt.

Patientenaufkommen in Bundesländern mit hohen Fallzahlen erholt sich nur zögerlich

Ebenfalls unterschiedlich verläuft die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern und Kreisen, in Abhängigkeit vom regionalen Infektionsgeschehen. So lässt sich beobachten, dass in den besonders stark betroffenen Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Saarland, Hamburg und Bremen (gemessen in Anzahl Fälle / 100.000 Einwohner alle über dem Bundesschnitt von ca. 225) die Patientenzahlen im Lockdown stärker zurückgingen (-50%) und diese nach wie vor auch auf einem etwas niedrigeren Niveau bleiben (-20%), als dies in den unterdurchschnittlich stark betroffenen Bundesländern der Fall ist (-30% / -10%).

Zusammenfassung der Ergebnisse & Ausblick

Wenn man den bisherigen Jahresverlauf kumuliert betrachtet, haben Deutschlands Zahnarztpraxen bis hierhin geschätzt ca. 7% Leistungsrückgang zu verzeichnen. Da die Mobilität der Bevölkerung im Rahmen der fortlaufenden Lockerungen und anhaltend niedrigen Infektionszahlen jedoch weiter steigt, ist ebenfalls von einem weiteren Anstieg der Honorarerlöse der Zahnarztpraxen auszugehen. Sofern es zu keiner zweiten Welle kommt gehen wir daher davon aus, dass Zahnarztpraxen im weiteren Jahresverlauf im Schnitt ein Leistungsniveau von ca. 95% erreichen können. Auf Jahressicht betrachtet würde dies zwar bedeuten, dass der Schutzschirm der Bundesregierung vielfach nicht greift, der Schaden für die Zahnärzteschaft würde sich aber dennoch auf beträchtliche ca. 1,5 Milliarden Euro belaufen (gemessen am Rückgang der Wertschöpfung).

Zwar dürfte es den meisten Praxen gelingen das schlimmste Szenario durch eigene und kollektive Maßnahmen abzuwenden, dessen ungeachtet darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass es viele Härtefälle geben wird. Welche Praxen hier aktuell strukturell stark benachteiligt sind und daher vermutlich besondere Hilfe benötigen, lässt sich aus den Analysen oben schon gut erkennen (Praxen mit überdurchschnittlichem altem Patientenstamm, Praxen in den besonders stark betroffenen Bundesländern, Praxen in Bürovierteln und vor allem Kombinationen daraus). Ebenfalls besonders kritisch dürfte die Lage natürlich für alle neu gegründeten oder kürzlich übernommenen Praxen sowie für all jene sein, die jüngst stark expandierten.

Die genaue weitere Entwicklung der Kassen- und Privathonorarleistungen werden wir in den kommenden Wochen und Monaten fortlaufenden untersuchen und an dieser Stelle mit weiteren Veröffentlichungen des SLIC publizieren.


Disclaimer

Wir weisen darauf hin, dass es sich bei den vorgelegten Zahlen um eine Analyse eines nicht repräsentativen Praxis-Panels handelt. Die Ergebnisse erheben daher keinen Anspruch auf Repräsentativität. Wir gehen dennoch davon aus, dass die darin zu sehenden Entwicklungen und Größenordnungen wertvolle Anhaltspunkte liefern können und sich im Zeitablauf im wesentlichen bestätigen und weiter verfestigen.


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