Erfolg mit dem Eigenlabor in der Zahnarztpraxis: Die wichtigsten Voraussetzungen (Teil 1)

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Erfolg mit dem Eigenlabor in der Zahnarztpraxis: Die wichtigsten Voraussetzungen (Teil 1)

Wenn Monat für Monat viel Geld an Fremdlabore fließt, liegt die Idee nahe, in der Zahnarztpraxis einfach selbst ein Dentallabor zu betreiben. Das aber will gut überlegt und gründlich durchgerechnet sein. Eigenlabor – ja oder nein? In Teil 1 stellt solvi die wichtigsten Kriterien vor, auf die es ankommt.

 

Kostenfalle Eigenlabor

Der Blick in die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) kann schon mal weh tun: Mehrere hunderttausend Euro pro Jahr, die die Zahnarztpraxis an Dentallabore zahlt? Muss das sein? Kann man das nicht selbst machen? Genau das tun viele Praxen auch, die unter ihrem Dach ein Eigenlabor betreiben. Allzu häufig verschlingt dieses Projekt jedoch mehr Geld, als es einbringt, wie die solvi-Geschäftsführer:innen Diana Haber und Christian Brendel beobachten.

 

Erfolgsfaktoren: Herzblut und Umsatz

„Der Gedanke, sich mit zahntechnischen Leistungen Umsatz und Gewinn in die Praxis zu holen, ist absolut nachvollziehbar“, sagt Diana Haber. „Wer das mit Herzblut betreibt, wer genügend Umsätze mit Laborleistungen erzielt und sein Eigenlabor strukturell gut aufstellt, kann auch tatsächlich großen Erfolg damit haben. Aber einfach nebenher funktioniert das nicht.“

 

Erster Schritt: Umparken im Kopf

Ein wichtiger Hinweis vorab: Zahntechnik-Leistungen sind für Praxen keine Kostenfaktoren! „Der Blick in die BWA führt leicht auf die falsche Fährte“, sagt Christian Brendel. In der BWA werden die Dentallabor-Zahlungen als Kosten aufgeführt – und erscheinen in Summe oft als zweitgrößter Kostenfaktor hinter den Personalkosten. „Da denkt man sich als Inhaber oder Inhaberin: Hoppla! Aber hier möchte ich anregen, im Kopf einmal umzuparken: Denn eigentlich sind die Laborzahlungen nur durchlaufende Posten. Die zahntechnischen Leistungen werden den Patient:innen zu 100 Prozent in Rechnung gestellt – sie erhöhen also weder die eigenen Kosten noch den eigenen Umsatz.“

 

Erfolgsfaktor Umsatz: 250.000 Euro Umsatz fürs Fremdlabor sind das Minimum

Wer sich den Umsatz für Dentallabor-Leistungen in die eigene Praxis holen will, sollte sehr gut rechnen. Als Faustregel gilt: „Wer weniger als 200.000 Euro Umsatz für Fremdlabor-Leistungen macht, braucht über ein Eigenlabor nicht nachzudenken, sofern es wenigstens kostendeckend arbeiten soll“, sagt Diana Haber. „Ab 250.000 Euro kann man darüber nachdenken, ab 300.000 oder 350.000 Euro fängt es an, betriebswirtschaftlich Sinn zu machen.“

 

Erfolgsfaktor Auslastung: Zwei Behandler:innen reichen nicht

Die Rentabilität von Dentallaboren liegt laut Branchenberichten bei 15 bis 20 Prozent. Rechnerisch heißt das, von 100 Euro eingesetztem Kapital bleiben 15 bis 20 Euro als Gewinn (vor Steuern) übrig. Eine Goldgrube ist das nicht, sondern hart erarbeitetes Geld – und für Zahnarztpraxen eine Warnung: Mit dem Eigenlabor lässt sich nur Gewinn erwirtschaften, wenn es tatsächlich ausgelastet ist. Und das wiederum heißt: In der Zahnarztpraxis müssen genügend Behandler:innen Leistungen erbringen, die dem Eigenlabor ausreichend Arbeitsaufträge beschaffen. „Mit ein oder zwei Behandler:innen schafft man das normalerweise nicht“, stellt Diana Haber fest. „Drei sollten es schon mindestens sein.“

 

Erfolgsfaktor Zahntechniker:innen: Mindestens anderthalb Stellen einrichten

Genügend Personal benötigt auch das Labor selbst: Ein voll ausgelastetes Eigenlabor lässt sich nicht mit einem:r einzigen Zahntechniker:in betreiben. Ob Urlaub, Krankheit oder Kündigung – für diese Fälle benötigen Sie ein Backup, sonst warten Ihre Patient:innen ewig auf den Zahnersatz oder Sie müssen doch wieder ein Fremdlabor einschalten, während Sie die Fixkosten fürs eigene Labor bezahlen. Mindestens zwei Zahntechniker:innen sollten Sie also anstellen. Denkbar sind zwei Teilzeit-Angestellte, die jeweils 25 bis 30 Stunden im Labor arbeiten und gemeinsam anderthalb Stellen abdecken.

 

Erfolgsfaktor Führung: Ein Dentallabor braucht Strategie und Sachverstand

Jedem Praxisinhaber und jeder Praxisinhaberin sollte klar sein: Ein Eigenlabor in der Zahnarztpraxis ist ein eigener Unternehmensbereich, der seine Besonderheiten mitbringt. Eine:n erfahrene:n Zahntechniker:in einzustellen, der das Handwerk versteht, ist ein guter Start, reicht aber noch nicht aus. Das Eigenlabor muss wirtschaftlich geführt werden, braucht Fachpersonal, hat steuerliche und rechtliche Eigenheiten, die es zu beachten gilt. Mehr dazu im solvi-Podcast Aufgebohrt, Folge 92 oder Teil 2 unserer Blog-Serie zum Eigenlabor.

 

Reinhören, mehr wissen:

Sie wollen es genau wissen, ob sich ein Eigenlabor rechnet und wieso mindestens 350.000 Euro Umsatz dafür wünschenswert sind? Was in eine Vollkostenrechnung gehört, was Personalkostenkennzahlen aussagen? Dann hören Sie doch in unsere solvi-Podcast-Folge 92 von „Aufgebohrt“ hinein, in der Diana Haber und Christian Brendel vorrechnen: Wann lohnt sich ein Eigenlabor?

 

Besser als die BWA:

Übrigens: Mit unserer Controlling-Software solvi control haben Sie einen echten Überblick über Ihre Umsätze, Kosten und Gewinne – für die gesamte Praxis und jedes Profitcenter (auch fürs Eigenlabor): https://www.solvi.de/software/praxissteuerung